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Digitaler Salon 2022: Zusammenfassung

Themenmonat „Fahrräder und Lastenräder im Wirtschaftsverkehr“

Datum 18.10.2022

Der Digitale Salon ist ein innovatives Format im Veranstaltungsangebot des Mobilitätsforums Bund im Bundesamt für Güterverkehr. Das Format verbindet die inhaltliche Arbeit am Thema mit gezielter Vernetzung der relevanten Akteurinnen und Akteure. Bei den diesjährigen drei Veranstaltungen des Digitalen Salons ging es um das Potenzial von Radverkehr und Lastenrädern im Wirtschaftsverkehr.

Lastenrad auf Straße in Bewegung. Auf der Transportfläche befinden sich mehrere größere Pakete. Pakettransport per Lastenrad
Pakettransport per Lastenrad

Die mit zahlreichen Fachleuten besetzte Runde hat in Impulsvorträgen, Kleingruppengesprächen und Diskussionsrunden Erkenntnisse zum Potenzial der gewerblichen Nutzung von Fahrrädern und Lastenrädern erarbeitet. Die digitalen Salons fanden im Zeitraum vom 27.1.-23.6.2022 statt.

Was muss passieren, damit Lastenräder selbstverständlicher Standard in der täglichen geschäftlichen Mobilität werden?

Radlogistik

Definition

Die Radlogistik ist laut der Definition des RLVD-Vorsitzenden Tom Assmann ein Teilbereich der Verkehrs- bzw. Transportlogistik. Das Abgrenzungsmerkmal sei der Einsatz von Fahrrädern und Lastenrädern – in der Regel mit elektrischem Hilfsmotor und häufig in Kombination mit Lastenanhängern – für die Durchführung von Transporten. Die Radlogistik umfasse zudem das Ökosystem beteiligter Fahrzeughersteller, Logistiker, Softwareanbieter und Servicepartner.

Die Bundesvereinigung Logistik definiert Logistik als „ein System, das zunächst im Unternehmen, aber auch unternehmensübergreifend mit Lieferanten und Kunden, eine optimale Versorgung mit Materialien, Teilen und Modulen für die Produktion – und auf der anderen Seite natürlich der Märkte – bedeutet“.

Eine Vertreterin der Stadt München nannte als Herausforderung in der Lastenradlogistik:

  • Flächenknappheit & Flächenvermittlung
  • Zusammenspiel vieler Fachbereiche, z. B. Parken, Radverkehr, Verkehrssicherheit, Digitalisierung
  • Vielfalt der Interessensgruppen, zum Teil fehlende Branchenverbände für München

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass eine der entscheidenden Stellschrauben für die Etablierung von Lastenrädern die verfügbare Fahrrad-Infrastruktur ist. Die eingeladenen Vertreter von Lieferdiensten nannten hier auch Flächen zum Abstellen der E-Bikes und Lastenräder, insbesondere vor den Mikro-Depots, als notwendige Verbesserungen. Eine zentrale Anlaufstelle bei Städten für Wirtschaftsverkehrsthemen im Sinne einer/eines Wirtschaftsverkehrsbeauftragten wurde ebenfalls als wichtig erachtet. Die Förderungen und Maßnahmen seitens der Kommunen sollten ganzheitlich, finanziell angemessen, in einem überschaubaren Zeitfenster realisierbar und nachhaltig sein.

Infrastruktur und Flächenmanagement

Mikro-Depot

Definition

Ein Mikro-Depot oder City-Hub ist im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 definiert als „ein immobiles oder mobiles Zwischenlager im städtischen Raum, in dem Paketsendungen für das nähere Umfeld gelagert werden. Die kurzen Wege vom City-Hub/Mikro-Depot bis zum Ziel können beispielsweise mit (E-)Lastenrädern zurückgelegt werden.“

Die Mikro-Depot-Richtlinie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz definiert ein Mikro-Depot als einen „Raum, in dem logistische Umschlagprozesse zur Abwicklung der letzten Meile mit Hilfe von emissionsfreien Fahrzeugen vorgenommen werden.“ Die Räume und Flächen der Mikro-Depots liegen daher „in großer Nähe zum Endkunden, um die letzte Meile der Lieferung durch emissionsfreie Fahrzeuge, wie Lastenräder, zu ermöglichen.“ „Letzte Meile“ meint „den finalen Transport von Sendungen zum Bestimmungsort.“

Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Lastenräder haben die Teilnehmenden die folgenden kommunalen Handlungsperspektiven identifiziert:

  • Kommunale Parkhäuser zu Mikro-Depots ertüchtigen
  • Logistikflächen für Radlogistik bei Bauplänen mitdenken und planen
  • Regionale und lokale Radlogistiker einbeziehen
  • Vergabe von kommunalen Transporten an CO2- und Energieauswirkungen ausrichten
  • Anbieterneutrale, kooperative Mikro-Depots umsetzen/betreiben
  • Urbane Logistikkonzepte aufstellen
  • Verkehrswende und verkehrsberuhigte Quartiere

Mikro-Depots sind für die Radlogistik unabdingbar! Darin waren sich die Teilnehmenden einig. Kommunen sollten diese Depots in ihre städtische Verkehrsplanung einbeziehen.

Governance – Rolle, Aufgabe und Gestaltungsräume der Kommunen

In mehreren Vorträgen gaben die Referentinnen und Referenten den Kommunen Empfehlungen zur Förderung der Radlogistik.

Eine Studie des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland aus dem Jahre 2021 hat die folgenden Instrumente für Kommunen identifiziert, um den städtischen Lieferverkehr nachhaltig zu gestalten:

  • Querschnittstelle Wirtschaftsverkehr schaffen
  • Fahrradinfrastruktur ausbauen
  • Ausweisung von Logistikflächen erleichtern
  • Null-Emissionszonen möglich machen, Umweltzonen weiterentwickeln
  • Elektrische Nutzfahrzeuge stärker fördern
  • Lieferkonzessionen ermöglichen

Das Praxispapier „Liefern ohne Lasten“ der Denkfabrik Agora Verkehrswende von 2020 zog das folgende Fazit:

  • (Teil-)Lösungen fördern statt auf „Großen Wurf“ warten
  • Gutes Güterverkehrskonzept ist Aktionismus-Prävention
  • Umsetzung mitdenken: Messbare Ziele, klare Zuständigkeiten, Evaluation
  • Miteinander sprechen: Zuständigkeit in der Verwaltung, Konsultationskreis mit klarer Aufgabenbeschreibung
  • Logistikflächen in der Stadt sichern, planerisch entwickeln und zulässige Nutzungen festlegen

Es gibt zahlreiche Maßnahmen und Lösungen für die Zulieferung auf der letzten Meile, also den finalen Transport von Sendungen zum Bestimmungsort (siehe Schaubild des World Economic Forum rechts). Aber die Maßnahme muss zum Standort passen, und nicht überall machen Mikro-Depots Sinn. Der Standortsuche kommt daher große Bedeutung zu.

Resümee

Die Fachexpertinnen und -experten im Digitalen Salon stimmten weitestgehend überein, was zu tun ist und was Priorität hat. Die Herausforderungen liegen in der ganz konkreten Umsetzung. Vernetzung und Erfahrungsaustausch sind konkrete Hebel zur Beschleunigung der Umsetzung.

Das Mobilitätsforum Bund plant auch im kommenden Jahr einen Digitalen Salon. Wir werden Sie über unseren News-RADar und unseren Newsletter auf dem Laufenden halten.

Format und Ablauf des Digitalen Salons

Zur Realisierung des Digitalen Salons setzt das Mobilitätsforum Bund auf die Erfahrung und Expertise des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu).

Der diesjährige Digitale Salon zielte darauf ab, Mitarbeitende aus Kommunalpolitik und -verwaltung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Bereich Radlogistik zusammenzubringen. Die drei Veranstaltungen fanden mit der gleichen Gruppe statt, die jedoch um thematisch relevante Akteurinnen und Akteure erweitert wurden. Die Themen der einzelnen Termine standen nicht im Vorhinein fest, sondern sind organisch durch die Impulse der Teilnehmenden gewachsen.

Die Teilnahme am Salon ist kostenlos, aber die Zahl der Plätze ist begrenzt. Der Austausch fand in vertrauensvoller Diskussionsatmosphäre und die Zusammenarbeit in Kleingruppen statt.